Montag, 30. Mai 2011

Mein Fazit

Jetzt ist die Saison also komplett vorbei. Alle Spiele auf Vereinsebene sind gespielt. Das Champions League Finale war der Schlusspunkt der Saison 2010/2011. Es war ein ansehnlicher Schlusspunkt, Barcelona hat in Perfektion demonstriert, wie moderner Fußball aussieht.

Für Schalke ist die Saison schon was länger rum. Mit etwas Abstand bin ich in der Lage die Saison mal Revue passieren zu lassen.

Der Start war völlig verkorkst. 4 Pleiten am Stück, "gekrönt" mit einer Derby-Niederlage. Am Ende der Hinrunde hatte man dann den Eindruck, es geht bergauf und man greift nochmal weiter oben an. Weit gefehlt. Die Bundesliga Rückrunde war der blanke Horror. Es ging um nichts mehr und so hat sich die Mannschaft auch präsentiert: Desinteressiert. Mit einer Null-Bock Haltung wurde jedes Spiel angegangen und als Fan ist einem wirklich die Laune vergangen. Immer hat man sich gedacht "So, jetzt aber. Jetzt geht's los" Und dann? Nichts, gar nichts. Auf ein gutes Spiel im internationalen Wettbewerb folgte ein miserables in der Bundesliga. Am Ende hat es gereicht, man ist dem Abstieg klar entkommen, auch wenn es am Ende nicht so klar aussieht.

In beiden Pokalen, also Champions League und DFB - Pokal, hat Schalke sich ganz anders präsentiert. Viel besser, man hat sich gut und irgendwie auch souverän präsentiert. Unvergessen bleibt natürlich das Spiel im San Siro. Das wird wohl immer in Erinnerung bleiben. Auch der Pokalsieg wird im Kopf bleiben. Verdient hat man sich den Pokal gesichert.

Unterm Strich war die Saison "ganz ok". Man hat das Jahr ohne bleibende Schäden überstanden. Eigentlich müsste man aus der Saison sogar viel Geld mitgenommen haben, durch den Einzug ins Champions League Halbfinale. Die Mannschaft muss sich verändern. Eine Struktur muss entstehen. Ich hoffe, das sich in der Sommerpause viel passiert. Einiges muss sich ändern.

Mittwoch, 25. Mai 2011

Was macht eigentlich Rafinha?

Der zweite Teil der Serie. Lange hat es gedauert, immer wieder kam irgendwas dazwischen, aber jetzt ist es soweit. Ich gehe in die zweite Runde:

Wie die Überschrift schon verrät geht es diesmal um Marcio Rafael Ferreira de Souza, besser bekannt als Rafinha. 2005, nach einer großartigen U-20 WM, wurde der damals 19-jährige Rafinha zum FC Schalke geholt. Stolze fünf Millionen hat der Mann gekostet. Er löste damals Oude Kamphuis auf der rechten Abwehrseite ab. In seiner ersten Saison wurde er dann auch relativ fix zum Stammspieler. Er hatte seine rechte Seite eigentlich immer im Griff und machte gute und solide Spiele. 2008 kam dann Farfan zu den Knappen und mit der Zeit bildete er mit Rafinha die vielleicht Beste rechte Seite der Bundesliga. Sie harmonierten einfach zusammen und machten immer ordentlich Dampf über rechts.
Letzten Sommer wurde dieses Duo dann getrennt. Rafinha ging nach Italien, Genua um genauer zu sein. Rafinha war immer hart in seiner Spielweise. Grobe Fouls und auch mal die ein oder andere Tätlichkeit, auch abseits des Platzes hat Rafinha immer mal wieder Blödsinn gemacht, sei es eine durchzechte Partynacht oder die verspätete Rückkehr aus dem Urlaub, trotzdem war er beliebt, zumindest bei Schalke Fans.

In dieser Saison machte Rafinha 34 von 38 Spielen in der Serie A für Genua und erzielte dabei zwei Tore, eines davon, war das Entscheidende im Derby gegen Sampdoria, dem Stadtrivalen. Bei den Fans ist er nicht nur wegen des Tores relativ beliebt, sondern auch wegen seiner Persönlichkeit. Er hat keine wirkliche Stammposition im Team von Genua, sondern er spielt mal da, mal da. Genua steht jetzt am Ende der Saison auf dem zehnten Platz mitten im Niemandsland der Tabelle, weit weg von den europäischen Plätzen. Ich vermute, dass Rafinha den Verein wohl im Sommer wieder verlassen wird. 

In unzähligen Interviews gegenüber deutschen Medien sagte Rafinha, dass die deutschen Fans ihn bald wieder sehen würden, dass er bald wieder in Deutschland spielen würde, von zwei konkreten Angeboten war die Rede. Auch eine Rückkehr zu den Knappen hat er nicht ausgeschlossen, er hat seinen Weggang immer mit Felix Magath begründet. Er sei nicht mit ihm klar gekommen, hätte kein Spaß bei der Arbeit gehabt und konnte das alles nicht länger als ein Jahr aushalten. Über Schalke allgemein sprach er immer gut in den Interviews. Die Atmosphäre im Stadion und die Schalker Fans seien für ihn ganz was besonderes gewesen. Im Herzen sei er immer noch ein wenig Schalker, so seine Worte. Anfang des Jahres wurde er auch immer und immer wieder mit Schalke in Verbindung gebracht. Diese Meldungen wurden in letzter Zeit allerdings weniger. Derzeit ist er wohl bei den Bayern im Gespräch. Ich bin gespannt was daraus wird.

Also, unterm Strich könnte man sagen, dass der Wechsel nach Italien für Rafinha eher ein Rückschritt war. Wäre er auf Schalke geblieben, hätte er Champions League gespielt, aber gut. Ich sehe die Chancen auf eine Rückkehr zum FC Schalke eher schlecht. Rechts sind wir mit Uchida (und im nächsten Jahr hoffentlich noch mit Hoogland) ganz gut besetzt. Trotzdem glaube ich, dass wir Rafinha bald wieder in der Bundesliga sehen werden, ich würde es mir wünschen.

Montag, 23. Mai 2011

Ein wundervoller Samstagabend

90 und noch mehr wundervolle Minuten hat mir der S04 am Samstagabend beschert. Ein klasse Spiel, ein Pokalsieg und eine Feier mit unvergesslichen Ausmaßen. Alles wie im Traum.

Was nach dem Spiel passierte war phänomenal. Wie die Mannschaft gefeiert hat, sich gefreut hat, mit den Fans gejubelt hat. Einfach wunderbar. Der Senor als Spanischer Stierkämpfer, Farfan als verrücktes Huhn und Neuer als 'Kameramann', der alles gefilmt hat. Das war echt überwältigend. Die pure Freude war bei allen Profis in den Gesichtern zu erkennen. Farfan fiel da besonders auf, im Party machen scheint er ebenso Weltklasse zu sein, wie auf dem Platz. Ich hoffe weiter auf eine frühzeitige Verlängerung seines Vertrags. Auch wie die Mannschaft mit den Fans gefeiert hat, war nett anzuschauen. Es war alles, wie im Heimspiel. Unfassbar coole Kulisse.

Zum Spiel brauch ich nichts zu sagen, das habt ihr doch sowieso alle gesehen. Nur eines beziehungsweise einer ist mir sehr gut aufgefallen. Es war Jurado. Auf der 6-er Position scheint er sich wohler zu fühlen als auf der linken Seite. Er machte sein vielleicht bestes Spiel für Schalke und belohnte sich selber mit einem Tor. Gut gemacht und weiter so!

Da war dann also, der Schlußstrich unter dieser Saison.

Ach ja, dieser Beitrag hier, zum Pokalsieg, ist der 100. Artikel in meinem Blog. Das nenne ich mal ein würdiges Jubiläum.


Freitag, 20. Mai 2011

Glück Auf und holt den Pokal

Die 400 Follower Marke ist geknackt. Der erste Tag vom Twitter Projekt @FinaleS04 ist vorbei, er war ein voller Erfolg, wie ich finde. Ich will hier aber jetzt nicht schon wieder die Werbetrommel rühren, das habe ich ja schon des öfteren gemacht. Wobei, einmal kurz noch: Torsten Wieland wurde gestern von Einslive interviewt. Hier der Mitschnitt von @ic0n_, dem ihr übrigens auch alle folgen könnt.

Ich kann meine Gefühle gegenüber des Pokalfinales nicht ganz genau bestimmen. Irgendwie aufgeregt, aber auch entspannt, auch Nervosität findet sich da noch irgendwo in meinem Körper wieder. Ich hab den Glauben an die Mannschaft nicht verloren, auch wenn die letzten Spielen natürlich völlig daneben gegangen sind. Jetzt hat man den Weg ins Finale schon geschafft, jetzt kann man auch den letzten Schritt noch gehen, oder? Das Finale ist natürlich immer ganz was besonderes, die letzte Hürde, die zu nehmen ist. Ich könnte jetzt natürlich noch irgendwelche Statistiken aus dem Hut zaubern, die deutlich machen würden, dass Schalkes Chancen auf den Titel etwas höher wären, als die der Duisburger, aber das lasse ich.

Jetzt bleibt nur noch zu sagen: Glück Auf und holt den Pokal!

Ich wünsche allen Schalker und auch Duisburgern in Berlin viel Spaß!

Mittwoch, 18. Mai 2011

Noch dreimal schlafen

Noch drei Tage. Dann ist die lange Zeit des Wartens überbrückt. Zudem nochmal in eigener Sache: Unser Final Projekt @FinaleS04 ist schon ganz schön ins Rollen gekommen. Hier wurde schon Werbung gemacht und hier, hier auch ein bisschen. Schon 317 (Stand: 18.05. 20:30) Follower und dabei hat das Projekt nicht einmal angefangen. Wenn es dann morgen endlich losgeht, werden wir uns vor Followern nicht mehr retten können. Bestimmt. Zumindest wenn es nach mir ginge. Also, wenn ihr noch nicht folgt, wisst ihr ja jetzt, was ihr zutun habt. Folgen!

Langsam merk ich, wie die Aufregung sich langsam in meinem Inneren breit macht. Es steht im Prinzip eine ganze Saison auf dem Spiel. Bei einem Sieg wäre die Saison wohl gerettet, bei einer Niederlage komplett für die Tonne natürlich mit kleinem Sternchen, wegen der Champions League. 

Das Pokalfinale könnte auch das letzte Spiel für den ein oder anderen Spieler im Schalker Trikot werden. Top - Kandidat dafür natürlich Manuel Neuer. Ich denke, dass kurz nach dem Spiel, also 3-4 Tage danach, sein Wechsel zum FC Bayern bekannt gegeben wird. Er könnte mit seinem letzten Spiel den Pokal holen, wenn es ein gutes Ende gibt, dann wohl dieses. Ein bisschen Sorgen mach ich mir auch um die Personalie Farfan. Nachdem zwischenzeitlich eine Vertragsverlängerung schon kurz bevor stand, ist dieses Thema jetzt irgendwie wieder völlig untergegangen. Ich hab schon lange nichts mehr davon gehört. 

Ach ja, warum Schalke am Samstag gewinnt könnt ihr übrigens hier nachlesen.

Montag, 16. Mai 2011

Experiment zum Pokalfinale


Seid ihr bei Twitter aktiv? Seid ihr Schalke Fans? Wenn ja, dann habe ich genau das Richtige für euch: @FinaleS04. Dieser Twitter-Account ist ein Experiment zum DFB-Pokalfinale am kommenden Samstag. Donnerstag startet das Projekt, Sonntag endet es wieder, es dauert also 04 Tage. Der Account wird allerdings nicht von einem allein betrieben, sondern von 12 Bloggern und Twitterern. Allesamt Schalker. Wer alles teilnehmt und noch weitere Infos könnt ihr auf der Homepage nachlesen. Jeder der Teilnehmer schreibt wie, wo, mit wem er das Pokalfinale erlebt. Es werden viele verschiedene Perspektiven dargestellt. Der eine ist in Berlin, der andere in der Arena und ein dritter guckt vielleicht im heimischen Garten. Es ist von allem was dabei und genau das macht den Reiz an der Sache aus. Ich finde das alles sehr interessant. Ich bin nehme auch an diesem Experiment teil.

Falls ich jetzt euer Interesse geweckt habe, klickt den "Folgen" - Button. Ihr werdet damit nichts falsch machen.


Freitag, 13. Mai 2011

Ein letztes Mal

Die Bundesliga geht in die letzte Runde. Ich kann es nicht oft genug wiederholen: Die Bundesliga interessiert mich kein Stück mehr, zumindest nicht wenn ich durch meine königsblaue Brille schaue. Ein Sieg so kurz vorm Pokalfinale wäre super, jaja bla bla. Interessiert mich nicht. Das klingt irgendwie hart, trotzdem. Ich habe kein Bock mir eine lustlos und kampflos auftretende Truppe anzuschauen. Da warte ich lieber aufs Pokalfinale, da geht's wenigstens wieder um was.

Jedoch haben nicht alle Mannschaften diesen "Luxus" am letzten Spieltag nicht mehr bangen zu müssen. Deshalb werde ich Samstag lieber die Konferenz gucken, als Schalke im Einzelspiel, auch wenn ich das sonst nie mache. Im Abstiegskampf geht es nochmal um alles. Es läuft auf ein Dreikampf zwischen Gladbach, Frankfurt und Wolfsburg hinaus. Meine Sympathien sind dabei ganz klar auf Gladbacher Seite.

Wolfsburg kann ruhig absteigen. Ich brauch sie nicht unbedingt in der ersten Liga, das hat allerdings rein gar nichts mit Magath zu tun. Irgendwie habe ich auch so im Kopf, dass wir nie so gut gegen selbige ausgesehen haben, ob das auch statistisch gesehen der Fall ist? Kein Schimmer.

Frankfurt hat das letzte, so wichtige Spiel bei unseren Schwarz Gelben Nachbarn. Die Ausgangssituation ist nicht gerade die beste. Ein Abstieg in Liga zwei steht unmittelbar bevor, sollte das dann auch letztendlich eintreten, werden die Frankfurt Fans mit Sicherheit nicht friedlich bleiben. Kloppereien sind praktisch vorprogrammiert.

Mein Wunschtabelle nach dem 34. Spieltag sieht so aus:

15.: Gladbach
16.: Wolfsburg
17.: Frankfurt
18.: Pauli

In der Relegation wünsche ich mir dann Bochum - Wolfsburg, natürlich mit dem besseren Ende für die Bochumer.

Sonntag, 8. Mai 2011

Spricht für sich

Das Spiel gestern habe ich nicht gesehen, nicht einmal die Sportschau habe ich gesehen. Ich habe also rein gar nichts vom Spiel gesehen, deshalb habe ich mal bei Twitter nachgefragt. Das kam dabei raus: 


@sable_rayder 
@ClioMZ 
@nontec

 Spricht für sich, denke ich.

Freitag, 6. Mai 2011

Bald ist es geschafft

Ich habe überlegt, ob ich was zum diesem Spiel schreiben soll, gar habe ich überlegt mir das Spiel überhaupt anzuschauen. Ich schwanke noch. Ich finde die letzten zwei Spiele irgendwie belastend. Man hat gar kein Bock auf etwas, will es aber irgendwie doch sehen. Vergleichbar mit einer Zwickmühle. Zum Glück ist diese Saison bald vorbei. Zum Glück. Noch zwei Spiele und es ist geschafft. Wir haben diese total ätzende und nervende Bundesliga Saison überstanden, sogar halbwegs unbeschadet. Sechs Punkte aus den letzten beiden Spielen wäre trotzdem nicht schlecht. Sogar der der Sturz auf den Relegationsplatz ist noch möglich, dies allerdings nur rechnerisch. Praktisch ist es unmöglich. Wichtig sind die Siege also nur noch für die Fans und natürlich für die Mannschaft. Fürs Selbstvertrauen. Sich, bei noch zwei folgenden Niederlagen, im Pokalfinale wieder zu berappeln, wäre sicher für dieses junge Team eine ziemlich große Herausforderung. Man sollte es also besser gar nicht so weit kommen lassen. Einfach zweimal gewinnen und alles ist gut. Eine Woche nach dem letzten Spiel folgt dann noch das wichtige Spiel gegen Duisburg, dann ist es geschafft. Endlich.

Donnerstag, 5. Mai 2011

Vor Ort

Der folgende Beitrag stammt nicht von mir. Nein, der Tommes04 hat ihn geschrieben. Tommes04 war gestern im Stadion, im Old Trafford. Ich habe ihn gefragt, ob er nicht von seiner Reise und dem drumherum erzählen möchte. Und ja, er wollte. Danke nochmal dafür. Aber jetzt seht selbst:

Manchester United. Was für ein klangvoller Name. Erinnert sich noch jemand an den Aufstieg aus der 2.Liga, Anfang der 1990er Jahre, als Charly Neumann, sicherlich nicht ganz nüchtern, sinngemäß herumposaunte: „Und jetzt kann auch Inter Mailand kommen, die putzen wir auch noch“? Naja, wer hätte sich das damals wirklich vorstellen können: Manchester United. Als Gegner. Nicht etwa in einem Freundschaftsspiel oder einer Qualifikationsphase, sondern im Halbfinale der Champions League.

Dienstag Nachmittag ging es los. Nach dem Motto, die Chance, die wir nicht haben, die nutzen wir nun. In Köln traf ich meine Sitznachbarn aus der Arena und dann ging es mit Zwischenlandung in München nach Manchester. München? Da war doch mal was? Ich meine jetzt nicht das Endspiel 1999 in Barcelona, sondern den Absturz der Maschine in München, in der die Mannschaft von Manchester United saß. Dieses Ereignis scheint rund um Old Trafford noch allgegenwärtig zu sein. So ist nicht nur ein Zugangsweg an der Haupttribüne als „Munich Tunnel“ bezeichnet – im Stadion hängt auch eine alte Uhr, die mit „Munich“ untertitelt ist und auf der die Zeit stehengeblieben ist zur Uhrzeit des Absturzes. Fußball-England hat schon viele Katastrophen erleben müssen – München, Bradford, Heysel, Sheffield – und lebt das Gedenken an diese Katastrophen. Mir imponiert so etwas.

Wir kamen leider etwa spät in der City von Manchester an, so dass die Suche nach offenen Gaststätten sich als erstaunlich schwer herausstellte. Das einzige, was wir trafen, waren verzweifelte, durstige Schalker, die auf der Suche nach offenen Pubs waren. An einem Dienstag Abend gegen Mitternacht dürfte es sogar in Gelsenkirchen mehr offene Kneipen geben. Naja.

Spieltag. Das ganz besondere Schalke-Europa-Feeling. Die schon von blauweißen volle Stadt wird immer voller und verleiht Manchester so etwas wie das Gefühl, dass am Abend historisches ansteht. An jeder Ecke, in jedem Pub, auf jedem Platz, in jeder Bahn sieht man sie, die angereisten Königsblauen. Rote sieht man indes kaum, aber ist ja auch nachvollziehbar: An Heimspieltagen in der Woche sitze ich in der Regel tagsüber auch vor dem Schreibtisch, anstatt an der Theke. Auswärts hingegen, im Kreise der Schalke-Familie, lebt man. Es ist ein herrliches Miteinander, man trifft neue Gesichter und ist sich gleich vertraut, denn man teilt einen wichtigen Lebensinhalt, den blau-weißen Virus. Neue Freunde konnte man ebenfalls in Hülle und Fülle treffen: Die Manchester City-Anhänger. Ich kann gar nicht mehr zählen, in wie viele Glück wünschende Umarmungen ich mit zweifelhaften bulligen Stiernackeninhabern musste.

Gemeinsam redet man sich die Situation schön. Ich mache fleißig mit und behaupte, dass United uns unterschätzen, nur mit einer C-Elf auflaufen wird, Huntelaar und Höwedes wieder fit sind und wir mit einer Portion Glück das Wunder schaffen werden. Keiner will mir widersprechen, obwohl jeder weiß, dass ich objektiv Unsinn rede. Aber Unsinn, an den ich in diesem Moment glauben will.

Genug den Auswärtssieg herbeigeredet und Verabredungen für Wembley getroffen, jetzt geht es auf nach Old Trafford. Die Straßenbahn bringt uns zügig dorthin. Alles ist ohnehin gut organisiert. Kein Vergleich zu Spielen in Spanien oder Italien. Der größte Unterschied zu den Spielen dort: Die Polizei gibt einem nicht das Gefühl, ein Schwerverbrecher zu sein. Man kann mit der Situation offensichtlich umgehen und schickt, nicht wie in Valencia, einige Hundertschaften ungebildeter Söldner in Kampfmontur in die Stadien, sondern sich normal verhaltende, freundliche Polizisten. Hut ab für diese Souveränität. Das setzte sich auch im Stadion fort. Auch wenn die Fluchtwege völlig verstopft waren, die Schalker im Spiel Bengalos zündeten – keine rüdes Einschreiten der Ordnungskräfte, alles ging sehr, sehr entspannt zu.

Das „Theatre of Dreams“ war im Europareisen-Vergleich eines Schalkers auch ganz weit vorn. Ein schönes Fußballstadion mit Vor- und Nachteilen. Es ist schön anzusehen, von außen wie von innen. Die Kapazität ist angemessen für einen Top-Club Europas und auch die Akustik sorgt für pure Fußballatmosphäre. Die Nachteile: Es ähnelt von innen viel zu sehr dem Lüdenscheider Pestfalenstadion. Hier wie dort hat man als oben sitzender Gast mit einem tiefen, schrägen Dach zu tun, das die Sicht auf die gegnerischen Blöcke total einschränkt. Allerdings ist die Sicht trotz der Entfernung zum Spielfeld allemal besser als in Lüdenscheid, es wirkt auch nicht sooo fehldimensioniert. Die Aufgänge zu den Oberrängen sind auch alles andere als schick, kühle Betonfassaden und hunderte Treppen, bis man oben ist. Das scheint aber auch europäischer Standard zu sein; ich behaupte, dass die, die ohne Puste oben ankamen nicht in Valencia dabei waren... Es gab keine vernünftige Anzeigetafel, sondern nur ein einzeiliges LED-Band, da sind wir wohl zu verwöhnt. Alles in allem aber gleichwohl eine prima Location, um Geschichte zu schreiben.

Gespannt war ich auf den Support der United-Fans. Und der war so, wie ich es erwartet habe. Vor dem Spiel gleich Null. Man kommt erst mit dem Anpfiff. Ein paar Minuten vor dem Anpfiff werden einige Songs eingespielt, zu denen die Masse mitsingt. Könnte man jetzt sagen, die brauchen einen Einspieler, aber so was „brauchen“ wir ja wohl auch, nur dass die bei uns Capo heissen. Im Spiel zumindest in der ersten Halbzeit war nicht viel zu hören. Praktisch nur bei den Toren und kurz danach, während der Schalker Support im Prinzip durchging. Allen war letztlich bewusst, dass man auch gegen die C-Elf von United wenig ausrichten kann, dass man aber stolz auf das bislang erreichte sein kann und sollte. In der zweiten Halbzeit erschien mir der Support von United besser zu werden. Wenn, dann war es immer unglaublich laut und stimmungsvoll. Es gibt keine „Fanblöcke“ wie bei uns. Wenn gesungen wird, tut es das ganze Stadion mit Inbrunst. Es ist also schon sehr anders als bei uns. Am innovativsten war ein Chant, der mich ein wenig an „Vindaloo“ erinnerte und von „Wembeley“ handelte, also dem Einzug ins Finale. Das war ein kleiner hörenswerter Dauerbrenner in der zweiten Halbzeit. Insgesamt also so, wie man es aus England kennt. Kein Dauer-Singsang, wenig Aktion, aber wenn, dann laut.

In den Schalker Blöcken der gewohnte Dauersupport, der sich recht laut anhörte, aber das ist kein Maßstab, wenn man selbst inmitten dessen ist. Man feierte sich im Prinzip selbst. Völlig in Ordnung in dieser Situation. Auf die Bengalos kann man hingegen verzichten, ebenso auf irgendwelche Böller. Mag ja sein, dass es schön aussieht und Stimmung macht. Feuerwerk ist ja auch toll, mache ich aber nur, weil es toll ist, auch nicht in meinem Wohnzimmer.

Das Spiel habt Ihr alle gesehen, dazu muss ich nicht mehr viel sagen. Wenngleich ich nicht so enttäuscht bin, wie es das Ergebnis vermuten lässt. Spielerisch sah es wesentlich besser aus als noch im Hinspiel; hinten führten individuelle Fehler zu den Gegentoren, im Zug nach vorne fehlte die Durchsetzungskraft. Noch viel Arbeit für den Rolf, aber als alter Berufsoptimist bin ich sicher, dass die nächste Bundesliga-Saison nicht so eine Katastrophe wird wie die nun ablaufende.

Schade nur, dass wir nicht wieder United sehen werden. Vielleicht wird’s ja gegen City was. Strengt Euch also bloss gegen Duisburg an! Ich will weiter reisen!


Mittwoch, 4. Mai 2011

Realist und Träumer

Jetzt sitze ich hier mit einem weinenden und einem lachenden Auge. Das weinende Auge gehört dem Träumer in mir, dem der noch Hoffnung hatte, der den Glauben ans Finale noch nicht verlieren wollte, der jetzt traurig ist. Das lachende Auge gehört dem Realisten, der schon vorher wusste, das es heute nur noch noch um einen netten Abschied geht, der aber auch die Champions League Saison als ganzes sieht, der die fantastischen Leistungen noch im Kopf hat, der Stolz auf seine Mannschaft ist, stolz auf den S04 und er ist zurecht stolz. Der Träumer ist noch zu enttäuscht um jetzt fröhlich zu sein, ob der grandiosen Champions League Saison. Aber das wird noch kommen. Er wird in ein paar Stunden sehen können, was der S04 großartiges geleistet hat. Er wird einsehen, dass Manchester United einfach eine Nummer zu groß war. Beide zusammen werden in Gedanken nochmal zurück ans Wunder von San Siro denken. An einen verrückten, absolut historischen 5:2 - Erfolg über den Titelverteidiger, über Inter Mailand. Der Stolz auf eine Mannschaft, die sich vom Aussenseiter zum ernstzunehmenden Gegner entwickelte, wird mit etwas Abstand zum Geschehen bis in den Himmel wachsen. Eine Mannschaft, die große Vereine ärgern konnte. Eine Mannschaft, die mehr und mehr zusammen wuchs, eine Mannschaft die nach und nach an Charakter gewann und auf den Punkt Höchstleistungen brachte. Diese Mannschaft ist nicht irgendeine Mannschaft, diese Mannschaft ist mein Schalke. Unser Schalke. Während der Träumer diese Worte liest, verfliegt sein Ärger schon wieder. Er möchte euch, der Mannschaft, noch was sagen: Danke!

Der (Aber)glaube an sich selbst

So, nun ist es also soweit. Die Knappen treten zum Champions League Rückspiel im Old Trafford an. Als Realist weiß man, dass es vermutlich das letzte Spiel der Blauen im internationalen Wettbewerb sein wird. Als Träumer glaubt man dennoch an die winzige Restchance die Schalke bleibt. Ich zähle mich da eindeutig zur zweiten Gruppe. Ich habe noch den Glauben an ein Weiterkommen, aber wieso sollte ich diesen Glauben auch verlieren? Was bringt mir es ein Fußballspiel anzusehen, ohne den Glauben, ohne die Hoffnung an ein Weiterkommen zu bewahren? Gar nichts. Ich will weiter hoffen, will weiter mitfiebern, die noch fehlenden Tore zählen und nicht die ganze Zeit rummotzen, man habe doch sowieso keine Chance mehr. Nee, brauch ich nicht. Außer vielleicht in der diesjährigen Bundesliga Saison.

Mit Höwedes kehrt die zuletzt vermisste Stabilität in die Abwehr zurück. Das macht Hoffnung. Zudem ist auch der Hunter mit nach Manchester geflogen. Wie da allerdings die Chancen auf einen Einsatz aussehen, kann ich nicht beurteilen. Ob er wohl seine Verletzung schon endgültig auskuriert hat? Ich hatte ihn diese Saison nicht mehr auf dem Platz erwartet. Ich bin aber auch kein Arzt. Warten wir einfach ab.

Ich werde vermutlich die ersten 10 - 15 Minuten verpassen. So war es auch schon im Viertelfinal Hinspiel gegen Inter. Und dieses Spiel wurde bekanntlich zum "Wunder von San Siro". Die Bedingungen zum "Wunder von Old Trafford" sind also gegeben. Ja, ich bin abergläubisch. Es ist zwar ein ziemlicher blöder Aberglaube, ein Spiel zu gewinnen, weil ich den Anfang verpasse, aber es ist ein Aberglaube.

Sollte die Mannschaft es nicht schaffen ins Finale einzuziehen, hoffe ich das die Mannschaft sich wenigstens nett verabschiedet. Ich will keine Wiederholung des Hinspiels. Kein ängstliches auftreten, keine Verunsicherung. Einfach spielen. Es gibt nichts zu verlieren. Bei einer vernichtenden Niederlage, würde wohl lediglich diese im Kopf bleiben, wenn man sich an diese Champions League Saison zurück erinnert. Das wäre verdammt schade.

Sonntag, 1. Mai 2011

Ohne Worte

Was soll man zu so einem Spiel schreiben? Man sollte diese Leistung mit keinem einzigen Wort würdigen. Es war unterirdisch und bevor ich beleidigend werde, lass ich es direkt. Am liebsten würde ich die letzten beiden Bundesliga Spiele boykottieren. Mal sehen, ob ich es wirklich durchziehe. Ich hab auf jeden Fall kein Bock auf solche Leistungen. Am liebsten nie wieder. So, das reicht jetzt auch. 

Schönen ersten Mai wünsche ich euch. Meiner wurde mir gehörig versaut.